Ãœber die Rechtfertigung von Armut …

… hierzulande hat der Politikwissenschaftler Prof. Christoph Butterwegge einen äußerst lesenswerten Artikel verfasst, der sich in der Tageszeitung „Junge Welt“ veröffentlicht findet. Galt bislang (geerbte) materielle Not als Hindernis für eine gute Bildung und eine lukrative Arbeitsstelle, so drehen die Fürsprecher der „herrschenden Leistungsideologie“ den Spieß einfach um. Materielle Not ist ihrer Ansicht nach gar nicht das Problem, vielmehr liegt der Bildungsmangel und dessen böse Folgen schlichtweg an der Faulheit und dem Desinteresse der so genannten Unterschicht: „Sie könnten ja, aber sie wollen einfach nicht.“

Die undisziplinierte Unterschicht ist an ihrem Los letztlich selber schuld – das wäre ein Freispruch erster Klasse für die Träger und Profiteure der bestehenden Verhältnisse. Armut wird damit legitim (sie müssen ja nur wollen, wie die anderen, die genug Zaster haben). Umverteilung wird damit zum Nonsens (die Probleme bleiben bestehen, wenn der Reiche dem Armen gibt). Und: Die Behauptung, dass Bildung der Schlüssel für materiellen Erfolg und Zufriedenheit ist, erklärt auch, warum gegenwärtig in Politik und Wirtschaft ständig eine „Bildungsoffensive“ gefordert bzw. ausgerufen wird. Mehr Bildung, das ist die Lösung für alles Schlechte in der Gesellschaft.

Ein Trugschluss, glaubt man Professor Butterwegge. Mehr noch: Der Bildungs-Hype ist eine Verschleierungstaktik, die den Status Quo zementieren soll, in dem von den eigentlichen Ursachen zunehmender Armut abgelenkt wird. Wer’s glaubt, wird kein Grund mehr sehen, für die Umverteilung der materiellen Ressourcen einzutreten.  „Beruhigungspille Bildung“ also.

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